Die Entstehung der MG Realp

Um das Jahr 1960 entschlossen sich vier blasmusikbegeisterte Angestellte des Elektrizitätswerkes Ursern in der Gemeinde Realp den Grundstein zur Gründung einer Blasmusik zu legen. Der mutige und für damals sicher auch gewagte Entschluss, ist dann bereits am 27. November 1960 in die Tat umgesetzt worden, indem an einer denkwürdigen Gründungsversammlung im Hotel Post, die Dorfmusik Realp aus der Taufe gehoben worden ist. Dass dem Vorhaben der 14 Gründungsmitglieder, von denen mit einer Ausnahme alle das musizieren von der Notenschule auf, erlernen mussten, nicht zum vornherein allzugrosse Überlebenschancen eingeräumt wurden, ist durchaus verständlich. Allein die Tatsache, dass der Verein inzwischen schon bald 50 Jahre alt geworden ist und die Mitgliederzahl sich mehr als verdoppelt hat, belehrte gar den letzten Zweifler eines Besseren.

Wenn Freude und Begeisterung der jungen Musikanten damals auch gross waren, blieben die Probleme nicht aus; im Gegenteil, sie begleiteten den Verein fast von seiner Geburtsstunde an einmal mit starker und einmal mit weniger starker Hartnäckigkeit. Wille und Mut der Mitglieder waren allerdings stärker und die Probleme, welcher Art sie auch waren, liessen sich meistern. So hat man unteranderem die ersten Finanzprobleme, im Zusammenhang mit der Instrumentenbeschaffung, so gelöst, dass jedes Mitglied verpflichtet wurde nebst dem ordentlichen Jahresbeitrag, einen einmaligen Beitrag von 100.-- zu leisten. Darüber hinaus ist in den ersten Jahren auch jedes unentschuldigte Fernbleiben von Proben mit einem Franken bestraft worden. Schlussendlich ist man mit den allergrössten Skeptikern gar eine Wette eingegangen, indem diese je Fr. 100.-- zu bezahlen hatten, wenn die Musikanten am Weissen Sonntag 1961 zu Ehren der Erstkommunikannten mit einem kleinen Konzert aufwarten.

Die mutigen und begeisterten Musikanten liessen sich in der Folge nicht unterkriegen und setzten das unmöglich zu scheinende in die Wirklichkeit um. Am Weissen Sonntag 1961 waren dann die Einwohner von Realp nicht nur von der musikalischen Darbietung, sondern auch von der schmucken Uniform, ein Geschenk der Feldmusik Erlenbach im Simmental, überrascht.

Ein ebenfalls nicht unwichtiges Problem war das stets und über längere Zeit gänzlich fehlende Probenlokal. In der Not behalf man sich mit dem Bahnhofwartsaal, mit der Käserei und einmal gar mit einem Heustall und dies nicht weniger als zehn Jahre lang d.h. bis zur Inbetriebnahme des neuen Schulhauses im Jahre 1973.

In den ersten zehn Jahren der Vereinsgeschichte gaben sich die verschiedensten Hoch und Tief dann förmlich die Tür in die Hand. Trotzdem erfreute sich die Dorfmusik Realp einer ständig wachsenden Beliebtheit. Dass diese Beliebtheit auch an den Ortsgrenzen keinen Halt machte, zeigten die vielen Teilnahmen an ausserkommunalen und ausserkantonalen Anlässen und Veranstaltungen, wie z.B. 1963 als Gastsektion bei der Fahnenweihe der Feldmusik Andermatt, Musiktreffen in Erlenbach im Simmental und in den darauf folgenden Jahren, Freundschaftstreffen in Magden und Airolo, Empfang von Weltmeister und Olympiasieger Bernhard Russi in Andermatt, Festmusik bei der Eröffnung des Furkabasistunnels in Realp und Oberwald, Empfang des Wasalaufsiegers Koni Hallenbarter in Obergesteln Goms, 1. Augustfeier 1983 mit Direktübertragung durch das Fernsehen aus Hospental und viele andere.

In der Gemeinde selbst ist der Musikverein in den Jahren seines Bestehens zu dem Verein geworden, der aus dem Ort nicht mehr wegzudenken ist, ja der von keinem mehr gemisst werden möchte. Verschönert und untermauert er doch mit seinen musikalischen Darbietungen fast alle Anlässe und Veranstaltungen jahraus, jahrein. Im Reigen all dieser Festivitäten dürften nicht nur den Mitgliedern des Vereins sondern auch den Einwohnern die schönsten Höhepunkte noch in bester Erinnerung sein, wie etwa die erste Fahnenweihe vom 15. Mai 1965, die durch das geschätzte Patenpaar Elsi Simmen und Louis Hennet, ermöglicht wurde und die gleichzeitige Umbenennung des Vereins in Musikgesellschaft Realp. Oder die Neuuniformierung vom 27. Juni 1971, bei der der Verein nach den beiden geschenkten Uniformen von Erlenbach und Gommiswald, zum erstenmal mit einem neuen und als Novum im Kanton Uri, mit einem zweifarbigen Kleid ausgerüstet worden ist. Ebenfalls unvergesslich ist die alljährlich wiederkehrende und mit Humor organisierte Fasnacht, die dank der Initiative der Musikgesellschaft Realp wieder zu neuem Leben erweckt worden ist und die mit ihren vertonten Schnitzelbänken, und Sketschs bereits über die Gemeindegrenzen hinaus ein gutes Echo gefunden hat.